Geltungsbereich: Auf See (Meer) bis zu 30 Seemeilen vor der Küste sowie die gesamte Ost- und Nordsee, Ärmelkanal, Bristolkanal, Irische und Schottische See, Mittelmeer und Schwarzes Meer.
Wer ihn braucht: Für private Skipper freiwillig, jedoch amtlich empfohlen, wenn der Abstand zur Küste zwischen 12 und 30 Seemeilen liegt; für gewerbliche Skipper in diesem Fall vorgeschrieben.
Voraussetzung: Mindestalter 16, Besitz des SBF See und 700 bzw. 1.000 Seemeilen
Theorieprüfung: 4 anspruchsvolle Teilprüfungen, jeweils eine in den Fächern Navigation, Schifffahrtsrecht, Seemannschaft und Wetterkunde; offene Fragen, kein öffentlicher Fragenkatalog verfügbar.
Praxisprüfung: An Bord einer Yacht, bis 90 Minuten, mit Schwerpunkt auf Schiffsführung und Crew-Organisation statt eigenem Steuern.
Kosten: Amtliche Prüfungsgebühren ab 414,65 € (Zulassung, Theorie an einem Tag, Praxis und Erteilung; Stand 2026), Ausbildung kommt extra dazu.
Gut zu wissen: Unter Skippern gilt der SSS, wegen der anspruchsvollen Prüfung, als Beleg dafür, dass man ein Sportboot / eine Yacht wirklich beherrscht.
Was ist der SSS Sportseeschifferschein, und wofür brauchst du ihn?
Der Sportseeschifferschein (SSS) ist der amtliche Befähigungsnachweis zum Führen von Sportbooten / Yachten in küstennahen Seegewässern bis zu 30 Seemeilen vor der Küste und auf vielen Binnenmeeren.
Geltungsbereiche des SSS
Allgemeiner Geltungsbereich: Alle Meere bis 30 Seemeilen vor der Küste
Vollständig abgedeckt über die 30 Seemeilen hinaus:
die Ost- und Nordsee,
das Mittelmeer,
das Schwarze Meer,
der Ärmel- und Bristolkanal und
die Irische und Schottische See.
Antriebsarten: (a) mit Motor und (b) unter Segel und Motor.
Wer benötigt den SSS Sportseeschifferschein?
Für gewerbliche Skipper: vorgeschrieben für die gewerbliche Nutzung von Sportbooten, etwa bezahltes Skippern oder Ausbildungsyachten.
Für private Skipper:
Freiwillig
ABER: amtlich empfohlen, wenn du weiter als 12 Seemeilen von der Küste entfernt fahren möchtest.
„Empfohlen” bedeutet: Kommt es zu einem Seeunfall, untersuchen Behörden den Hergang, und auch bei Haftung und Versicherung zählt, ob du für die Fahrt befähigt warst. Diese Befähigung weist du am einfachsten mit dem amtlichen Schein nach. Genau deshalb ist der SSS für private Skipper empfohlen. Ersatzweise kann man es über lückenlos dokumentierte Meilenbücher und Erfahrungsnachweise belegen. Dann muss der Richter entscheiden, ob das genügt.
Das Wichtigste vorab: Der SKS ist keine Pflichtstufe vor dem SSS. Über den Weg mit 1.000 Seemeilen nach dem SBF See kannst du den SKS überspringen und direkt den SSS angehen.
Empfehlenswert ist das vor allem, wenn du seglerisch fit bist und sicher weißt, dass du den SSS willst, denn viele Inhalte überschneiden sich. Den SKS kannst du dir dann sparen!
Weniger empfehlenswert ist das Überspringen des SKS, wenn du an Bord noch unsicher bist. Dann ist der SKS als Zwischenschritt sinnvoll: Er bringt geführte Praxis und verkürzt den Seemeilennachweis zum SSS auf 700.
Tipp für den Start: Bewahre deine Lernunterlagen vom SBF See und SKS gut auf. Im SSS sind diese Inhalte wieder voll relevant und müssen beherrscht werden (ja, auch die Lichterführung eines manövrierbehinderten Fahrzeugs).
Der SSS gilt als der anspruchsvollste der gängigen Segelscheine, vor allem wegen der Navigation. Eine amtliche Durchfallquote wird nicht veröffentlicht, doch drei Dinge machen ihn klar fordernder als SBF See und SKS.
Die Theorieprüfung ist in 4 Teilprüfungen unterteilt und dauert insgesamt 4,5 Stunden.
Es gibt keinen öffentlichen Fragenkatalog, du musst den Stoff also verstehen statt auswendig lernen. Zudem musst du die Antworten frei formulieren, statt anzukreuzen (kein Multiple-Choice).
Bei der Teilprüfung „Navigation” ist Zeitmanagement gefragt: Das Wissen muss „sitzen”; Zeit zum Überlegen hat man kaum.
Die Lernunterlagen sind didaktisch weniger gut aufbereitet bzw. verfügbar im Vergleich zum SBF See und SKS. Man muss sich viel zusammensuchen, und die Unterlagen sind nicht gut formatiert und schwerfällig zu lesen.
Die Praxisprüfung ähnelt der SKS-Praxisprüfung. Du hast jedoch nur einen Versuch pro Manöver. Zusätzlich musst du mit dem Radar arbeiten und sicher in der Crewführung sein.
ABER: Beim Rettungsmanöver unter Segel darf man die Motorunterstützung nutzen; sprich: es muss nicht rein unter Segel gefahren werden. Es muss jedoch nur unter Segel beginnen; erst wenn die Boje über Bord ist, darf der Motor hinzugeschaltet werden.
Die SSS-Teilprüfungen sind unterschiedlich anspruchsvoll.
Allgemeines zu den Teilprüfungen
Navigation und Schifffahrtsrecht sind die lernintensiven Fächer und anspruchsvollen Teilprüfungen.
Wetterkunde und Seemannschaft sind insgesamt weniger umfangreich und leichter zu lernen.
Viele kombinieren jeweils 2 Teilprüfungen wie folgt:
Navigation und Seemannschaft (oder Wetter) an einem Termin
Schifffahrtsrecht und Wetterkunde (oder Seemannschaft) an einem zweiten Termin.
So hat jeder Prüfungstag ein schweres und ein leichtes Fach, was Aufwand und Risiko gut verteilt.
Viele melden sich im ersten Durchgang auch bei allen Prüfungen an, um einen Einblick in alle Prüfungen zu bekommen. Dabei nehmen sie bewusst in Kauf, in 2–3 Fächern durchzufallen und die Wiederholung erst nach zwei Monaten ablegen zu können.
Die Teilprüfung Navigation
Sie ist die schwierigste der vier Teilprüfungen, hier entscheidet sich das Bestehen am häufigsten.
Zeit- und Punktemanagement sind entscheidend: Sichere zuerst die leicht erreichbaren Punkte.
Tipp 1: Bearbeite also zuerst die Beschreibungsaufgaben, etwa zur elektronischen Navigation, und erst danach die Aufgaben zur Seekarte und den Gezeiten. Somit hast du dir die leichten Punkte schon mal gesichert, und ein Verzetteln bei den Rechenaufgaben bringt dich weniger stark in Zeitnot.
Tipp 2: Hab’ unbedingt ein ca. 100 cm langes Lineal dabei. Es gibt eine Prüfungsaufgabe, bei der selbst die Länge des Portland Plotters nicht ausreicht. Ohne langes Lineal braucht man gefühlt ewig, um einen exakten KaK einzuzeichnen.
Tipp 3: Bereite dich mit den Übungsaufgaben aus dem gelben Buch („Übungsaufgaben SSS + SHS”, DSV-Verlag) gründlich vor. Diese kommen häufig nahezu wortgleich in der Prüfung dran.
Die Teilprüfung Schifffahrtsrecht
Folgende Themengebiete bilden die Schwerpunkte in den Prüfungen:
KVR,
SeeSchStrO und
Radarplotten
Das Wissen zur KVR und SeeSchStrO ist weitestgehend identisch mit dem SBF-See- und SKS-Wissen. Allerdings musst du die Antworten frei formulieren, und es ist kein Multiple-Choice.
Weitere Themen sind insbesondere:
Schiffspapiere
Verordnung zur Sicherung der Seefahrt
Seeunfalluntersuchung
Umweltschutz, insbesondere MARPOL
Verantwortung des Schiffsführers
Sicherheit der an Bord befindlichen Personen
Seenot- und Sicherheitsfunkdienst
Tipp 1: Lies und verstehe die KVR und SeeSchStrO in ihrer Struktur und ihrem Aufbau.
Tipp 2: Nutze die Luvers Core-Facts-Karten zum Lernen der Lichterführung, der Schallsignale und der Seezeichen. Sie bilden kompakt alles Wissenswerte ab.
Die Teilprüfung Wetter
Relevante Themen für die Prüfung sind:
Allgemeines zu Klima und Zirkulation
Hoch- und Tiefdruckgebiete
lokale und regionale Wetterphänomene
Seegang, Wellen und Ähnliches
Wetterinfos und Törnplanung
Tipp: das Buch „Wetter auf See” vom Delius Klasing Verlag
Die Teilprüfung Seemannschaft
Für viele die wohl einfachste Teilprüfung, insbesondere für erfahrene Skipper
Schwerpunktthemen sind: Sicherheit, Notsituationen, Stabilität, schweres Wetter und Sturmtaktiken, Hilfeleistung, Mann-über-Bord-Manöver inkl. Suchplanung, Begegnung mit der Berufsschifffahrt, Verschleißzustand und Rettungswesten für die Sportschifffahrt.
Tipp: die Luvers Checklisten zum Skippern im Bullet-Point-Format
Die SSS-Prüfung
Die SSS-Prüfung besteht aus vier theoretischen Teilprüfungen und einer praktischen Prüfung. Die vier Theoriefächer kannst du einzeln oder kombiniert ablegen, sodass du dein Tempo selbst bestimmst.
Voraussetzungen: Was du mitbringen musst
Bevor du zur SSS-Prüfung zugelassen wirst, musst du die folgenden Voraussetzungen erfüllen:
Mindestalter 16 Jahre
Besitz des SBF See (Geltungsbereich Seeschifffahrtsstraßen)
Seemeilennachweis auf einem dieser beiden Wege:
1.000 Seemeilen nach dem SBF See als Wachführer oder dessen Vertreter, davon mindestens 500 Seemeilen vor der theoretischen Prüfung, oder
700 Seemeilen nach dem SKS auf Yachten im Seebereich
Gut zu wissen
Wachführer bedeutet, dass du eine Wache an Bord eigenverantwortlich geführt hast, nicht nur als Crewmitglied mitgesegelt bist.
Du benötigst nicht zwangsläufig den SKS, um dich für den SSS anzumelden. Der SBF See reicht.
Die SSS-Prüfung läuft zentral über die Zentrale Verwaltungsstelle (ZVST) beim Deutschen Segler-Verband (DSV) in Hamburg, die über die Zulassung entscheidet. Anders als beim SKS, den die Prüfungsausschüsse beider Verbände abnehmen (DSV und DMYV), gibt es beim SSS nur diesen einen zentralen Weg über den DSV.
Benötigte Unterlagen zur Anmeldung
Zulassungsantrag nach Vordruck (kommt per E-Mail nach der Online-Anmeldung)
SBF See: Nummer und Ausstellungsdatum
Kopie des SKS, falls vorhanden
Seemeilennachweis entsprechend den Voraussetzungen
Aktuelles Passbild (35 × 45 mm, ohne Kopfbedeckung)
Ablauf der Prüfungsanmeldung
Online anmelden beim DSV bis spätestens einen Monat vor dem Prüfungstermin.
Zugeschickten Zulassungsantrag (kommt nach der Online-Anmeldung per E-Mail) ausdrucken und postalisch der ZVST (DSV) ca. 4 Wochen vor Prüfungsbeginn zuschicken.
Die ZVST entscheidet über die Zulassung und bestätigt Termin und Ort der Prüfung.
Prüfungsgebühr bis spätestens zehn Tage vor der Prüfung zahlen.
Die theoretische SSS-Prüfung ist schriftlich und in vier eigenständige Fächer gegliedert. Anders als beim SBF See oder SKS gibt es keinen öffentlichen Fragenkatalog.
Fach
Dauer
Max. Punkte
Bestanden
Mündlich
Durchgefallen
Navigation
120 Min.
40
26–40
22–25
0–21
Seemannschaft
45 Min.
40
26–40
22–25
0–21
Schifffahrtsrecht (inkl. Radarplotten)
60 Min.
40
26–40
22–25
0–21
Wetterkunde
45 Min.
20
13–20
11–12
0–10
So wird bewertet
Ab 65 % der möglichen Punkte ist ein Fach bestanden.
Zwischen 55 % und 64 % folgt eine mündliche Nachprüfung im betroffenen Fach.
Unter 55 % ist das Fach nicht bestanden.
Jedes Fach wird einzeln bewertet, du musst also nicht alle gleichzeitig schaffen.
Erlaubte Hilfsmittel in der Navigation
Gut radierte Übungskarte BA 2656 Ü (Stand 2005)
Karte 1/INT 1
Begleitheft SSS/SHS (ab 2005) mit Formelsammlung, Tidenkurven und nautischen Tafeln
Kursdreiecke, Portland Course Plotter, Lineal, Zirkel und Bleistifte
Taschenrechner, nicht programmiert und nicht programmierbar
Nicht erlaubt: eigene Formelsammlungen, Laptop, Tablet oder Smartphone sowie Markierungen und eingeklebte Reiter im Begleitheft.
Tipp: Schau dir alle Legenden und die ersten Seiten des Begleithefts gut an. Einige Fragen lassen sich mit den dort abgedruckten Infos gut beantworten (z. B. die Frage zu den Tiefenangaben).
Prüfungsorte: Ostsee, Nordsee, Mittelmeer oder Atlantik
Sonstiges: Ist die Yacht nicht geeignet, kann die Prüfungskommission die Durchführung der Prüfung ablehnen oder, falls die Prüfung bereits begonnen hat, abbrechen.
Praxisprüfung unter Segel + Motor
Seemannschaft und Manöver
Bootsführung auf See (alle Manöver möglich) … mit Begründung der Crew-Einteilung, Manöver-Wahl und Erläuterungen
Bootsführung im Hafen (alle Manöver möglich) … mit Begründung der Crew-Einteilung, Manöver-Wahl und Erläuterungen
Bootsführung während eines Rettungsmanövers
mit Begründung von Crew-Einteilung, Manöverwahl und Bergung
Die Prüfungsyacht muss zu Beginn des Manövers ausschließlich unter Segel fahren; der Motor kann, nachdem die Boje über Bord gegangen ist, hinzugeschaltet werden.
Organisation und Führung der Crew bei:
Feuer
Wassereinbruch
Krankheit
Auflaufen
Not-Schleppen
Ruderbruch
Mastbruch
Riggschaden
Technik an Bord: Maschine, Gasanlage, Elektrik und Elektronik
Navigation:
Papierseekarte und nautische Literatur (Auswahl, Korrektur, Standortbestimmung)
Electronic Chart System (ECS): Bedienung, Routenplanung, Fehlerquellen
Radar: Bedienung, Lagebild, Positionsbestimmung
Wetterkunde:
Beurteilung der Wetterlage am Ort der Prüfung
Auswertung der Instrumente
Praxisprüfung nur unter Motor
Segelmanöver entfallen.
Geprüft werden Manöver, Schiffsführung und Crew-Organisation unter Motor sowie die oben genannten Inhalte aus Seemannschaft, Navigation und Wetterkunde.
Für private Freizeitskipper nicht: Da ist der SSS freiwillig und nur amtlich empfohlen. Pflicht wird er bei gewerblicher Nutzung, etwa für bezahltes Skippern oder die Sportbootausbildung. Mehr dazu unter Was ist der SSS Sportseeschifferschein.
Brauche ich für den SSS den SKS?
Nein. Der SBF See genügt als Vorschein; über 1.000 Seemeilen nach dem SBF See kannst du den SKS überspringen. Wann ein Zwischenschritt über den SKS trotzdem sinnvoll ist, steht unter Scheinstrategie: Brauche ich vorab den SKS?.
Welche Voraussetzungen hat der SSS?
Du brauchst den SBF See, bist mindestens 16 Jahre alt und weist Seemeilen nach. Die Details stehen unter Voraussetzungen.
Wie viele Seemeilen brauche ich für den SSS?
1.000 Seemeilen nach dem SBF See, davon mindestens 500 vor der Theorieprüfung, oder 700 Seemeilen nach dem SKS. Mehr dazu unter Voraussetzungen.
Wie schwer ist der SSS und wie hoch ist die Durchfallquote?
Eine amtliche Durchfallquote wird nicht veröffentlicht. Der SSS gilt als anspruchsvoll, weil es keinen öffentlichen Fragenkatalog gibt und du frei formulierst; die Navigation ist die häufigste Hürde. Mehr dazu unter Wie schwer und aufwendig ist der SSS?.
Was kostet der SSS?
Die amtlichen Prüfungsgebühren liegen bei 414,65 €, wenn du die Theorie an einem Tag ablegst (Stand 2026). Die Ausbildung kommt je nach Weg zusätzlich dazu. Die Aufschlüsselung steht unter Prüfungsgebühren.
Wo und bei wem mache ich die SSS-Prüfung?
Zentral über die Zentrale Verwaltungsstelle (ZVST) beim Deutschen Segler-Verband (DSV) in Hamburg; anders als beim SKS gibt es nur diesen einen Weg. Wie die Anmeldung abläuft, steht unter Anmeldung zur Prüfung.
Was ist der Unterschied zwischen SSS und SKS?
Der SKS gilt bis 12 Seemeilen vor der Küste, der SSS bis 30 Seemeilen und zusätzlich im gesamten Mittelmeer, Schwarzen Meer und den nordeuropäischen Randmeeren. Der SSS setzt mehr Seemeilen und ein höheres Niveau voraus. Die Einordnung zeigt Der SSS im Dschungel der Scheine.
Quellen & Hinweise
Alle Angaben gegen amtliche Primärquellen geprüft. Aktualisiert am 16.06.2026.
ELWIS / Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS), Sportbootführerscheine: elwis.de